Ein Jahr datscha!

Es gibt viele Gründe ein Haus zu besetzen: Angefangen von fehlendem bezahlbaren Wohnraum, über die Suche nach einem Ort, an dem mensch neue und eigene Ideen probieren und verwirklichen kann abseits gesellschaftlicher Konventionen, bis hin zur Besetzung als eine mögliche Protestform gegen die uns umgebenden herrschenden Verhältnisse.
So war die Besetzung der ehemaligen „Villa Wildwuchs“ am 26. September 2008 zuerst einmal eine Artikulierung von Protest gegen die Politik der Stadt Potsdam im Umgang mit alternativen und autonomen Haus- und Kulturprojekten. Doch über die Idee einer symbolischen Aktion hinaus entwickelte sich in den folgenden Monaten nach der Besetzung die datscha zu einem unabhängigen, neuem Ort; zu einem neuen, linken Zentrum in Potsdam. Dazu beigetragen hat zum einen, dass die datscha bisher von der Stadt Potsdam geduldet wird (wieso, weshalb, warum, darüber lässt sich spekulieren). Zum Anderen gab es von Beginn an großes Interesse vieler Menschen, die mittlerweile die datscha mitgestalten und mit Leben und Ideen fühlen. So entstand ein gut gefüllter Umsonstladen, die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt „reudigRad“, eine regelmäßige Volxküche und ein Beachvolleyballplatz neben dem Haus. Darüber hinaus gab es großen Bedarf an einem neuen nicht-kommerziellen Veranstaltungsort (gut 50 Veranstaltungen, Konzerte, Partys in einem Jahr). Damit füllen wir als datscha vielleicht unfreiwillig ein Lücke, die durch die Schliessung des Spartacus entstanden ist. Doch die datscha ist und kann kein Ersatz für den Spartacus sein.
Von Anfang an ist es uns ein Anliegen gewesen die Vernetzung mit anderen Hausprojekten in Potsdam zu suchen und gemeinsame Interessen und Anliegen nach Außen zu tragen. Höhepunkte einer gemeinsamen Arbeit waren sicher die „Freiraum“-Demonstrationen im November 2008 und im Juni 2009, sowie die furiose Besetzung der Stadtverordnetenversammlung im November 2008, die für einige Schlagzeilen gesorgt hat. Doch auch über die Stadtgrenzen hinaus kam es zu einer Vernetzung mit ähnlichen Projekten und Initiativen. Und auch in Zukunft ist uns an einer gegenseitigen, solidarischen Unterstützung hier und anderswo gelegen.

Die Datscha ist nicht das Paradieschen.
Die „böse“ Außenwelt fängt schon kurz hinter „unserem Gartenzaun“ wieder an und das bedeutet, ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns mit allen ihren Erscheinungsformen beschäftigen; ob Nazis oder Polizeirepression, ob Parkordnung oder Krise des Kapitalismus. Wir können und wollen den Rest Potsdams und der Welt nicht ignorieren, nur weil wir scheinbar in Ruhe gelassen werden. Auch wenn Ausbeutung und Unterdrückung Normalität sind, heißt das nicht, dass wir das akzeptieren müssen. Deshalb muss es Orte geben, in denen Alternativen diskutiert und ausprobiert werden können. Wenn in einer Stadt das „Geld regiert“ reicht nicht eine datscha um hier Leben zu können. Es muss viele Orte geben, wie die datscha! Das Motto der Demonstration im November 2008 lautete „Wir bleiben alle“. Das Motto einer Bewegung gegen Umstrukturierung und Vertreibung durch finanzkräftige Investoren sollte heißen „die Stadt sind wir alle“! Die Datscha möchte Teil einer solchen Bewegung sein und durch Inbesitznahme eines städtischen Grundstücks zeigen, das es sehr wohl möglich ist Fakten zu schaffen und mit dafür zu sorgen, dass Orte entstehen, wie wir sie wollen. Damit wir alle, unabhängig vom Einkommen und Interessen, Alter, kulturellem Hintergrund und Hautfarbe, auch in Zukunft noch in Potsdam leben können, wollen wir genauso gegen Neofaschismus, Rassismus etc etc kämpfen, genauso wie gegen Gentrifizierung und ein gelecktes Stadtbild.

Wir bleiben alle!! Für linke und libertäre Freiräume hier und überall!

Liebe Freund_Innen, Sympathisant_Innen, Gegner_Innen und Menschen rund um die datscha!

Wir feiern am 26.September 1 Jahr datscha! Und das ist auch gut so! Sicher warst du auch schon das ein oder andere mal zu einem Konzert oder zu einer Party im Haus. Wir von der datscha freuen uns über das grosse Interesse und das unterschiedliche Publikum, das den Weg schon in die datscha gefunden hat. Doch nach einem Jahr müssen wir das Resümee ziehen, dass vorrangig zusammen gefeiert, getrunken, gesungen und getanzt wird. Doch das ist leider nicht alles. Immer mehr entziehen sich die Gäste der Verantwortung und dem Bewußtsein, dass sie sich auch während einer Party an einem Ort befinden, den wir als einen progressiven, linken Ort verstehen. Immer mehr häufen sich sexistische Übergriffe auf Menschen. Ein reines Konsument_Innenverhalten hat sich etabliert. Angriffe auf Menschen, die antisexistische, antifaschistische und Standpunkte der radikalen Linken vertreten, haben sich gehäuft. Dieser Text wird nun aber nicht auf diese Themen eingehen, sondern soll nur eine Kritik gegenüber dem sein, was derzeit in der Datscha geschieht.
Doch wer ist daran schuld? Wir sind alle daran schuld, denn wir alle sind die Datscha, ein besetztes, illegales Haus an der Havel, das probiert aus dem kapitalistischen Konsens zu entrinnen.

Daher wird von den BesucherInnen der Vokü kein fester Preis für Speißen gefordert. Die Menschen sind aufgefordert den Preis für ihr Essen selbst zu wählen. Klar schaffen wir Kapitalismus damit nicht ab, aber wir versuchen ihn in Frage zu stellen. Doch immer mehr kochen die gleichen Menschen, organisieren die Parties, kümmern sich um den Umsonstladen oder betreuen die selbstverwaltete Fahrradwerkstatt.
Da die Kräfte dieser Personen auch irgendwann aufgbraucht seien werden, brauchen wir Alternativen. Es geht darum aus der Konsument_Innenrolle herraus zu kommen und das Ruder selber in die Hände zu nehmen. Wir würden es toll finden, wenn sich um und für die datscha mehr Menschen organisieren. JederR kann an die Menschen der datscha herrantreten und fragen in welcher Weise Aufgaben übernommen werden können oder eigene Ideen einbringen. Auch konkret brauch die Fahrardwerkstatt, die Vokü oder der Umsonstladen Hilfe. Alleine ist dieses Projekt nicht zu stemmen. Also seid ihr gefordert und herzlichst gebeten dieses Haus und die dazugehörigen Projekte am Leben zu erhalten.
Die Menschen, die derzeit Aufgaben übernehmen, sind Personen wie du und ich. Sie bekommen dafür kein Geld, wirtschaften nicht in die eigene Tasche. Sie unterstützen andere Hausprojekte, linke Gruppen, Betroffene von staatlicher Repression und probieren eine Alternative zu Waschhaus und co. zu etablieren.
Lasst alternative Projekte nicht ersticken, gibt ihnen Luft zum Atmen durch eure Mitarbeit und genießt die Zusammenarbeit mit Menschen, die wollen das diese Welt sich wieder in eine richtigerere Richtung bewegt.

Der Oktober 2009 soll aus diesem Grund kein Monat der Partys werden, sondern ein Monat für Theorie und Aktion, ein Monat, in dem geträumt, geplant, diskutiert und agiert werden soll. Infoveranstaltungen, Filmabende u.v.m. sind in Planung. Eigene Ideen? Her damit! Sprich uns an und bring dich ein! Denn zusammen reclaimen wir nicht nur die street, sondern die janze city! Verstehste AlteR!?





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