Archiv für Juli 2012

Neues von woanders

In letzter Zeit ist gerade in Berlin einiges passiert, das zeigt, dass sich im Zuge der Stadtumstrukturierung auch immer Orte und Momente finden lassen, die den Widerstand gegen hohe Mieten oder sinnlose Bauprojekte manifestieren. Die Menschen, die diese Orte mit geschaffen und mitgestaltet haben, sind so bunt gemischt und unterschiedlich, das sie ein vielfältigen Querschnitt durch die Gesellschaft bilden. Das macht diese Aktionen so sympathisch und gibt Hoffnung, das es nicht nur ein kurzer Sommer des Widerstandes gegen die kapitalistische Stadtumwandlung ist. Einige der aktuellen Orte und Ereignisse wollen wir hier vorstellen!

Im Berliner Bezirk Pankow besetzte eine Gruppe von RentnerInnen ende Juni kurzerhand ihren SeniorInnen-treff, weil dieser aus Kostengründen abgewickelt werden sollte. Das sie hierbei auch mit der gängigen Symbolik von linken HausbesetzerInnen spielten, brachte ihnen nicht nur in dieser Szene Sympathien ein, sondern ihre Aktion bundesweit in die Nachrichten. Das Haus in der Stillen Straße in Pankow ist nach wie vor besetzt und die AktivistInnen versuchen im Augenblick mit einer Online-Petition ihr Projekt zum Senatsthema zu machen. Hier mehr. Wer unterschreiben will kann das hier tun.
Einen aktuellen Fernsehbericht gibt es hier!

Am Kottbusser Tor haben haupsächlich migrantische MieterInnen aus Protest gegen rasant steigende Mieten einen Platz besetzt und ein Camp errichtet, das als Anlaufpunkt und Protestort gegen die aktuelle Situation in Berlin , speziell aber in Kreuzberg dient. Die Aktionshütte nennt sich „gecekendu“ und bedeutet so viel wie „Über Nacht Hingestellt“ und bezieht sich auf ein altes osmanisches Recht nach dem ein Gebäude das über Nacht erbaut wurde nicht geräumt und abgerissen werden durfte. Dazu ein netter Text von Christiane Rösinger (Sängerin der Band Lessie Singers). Im laufe der wochenlangen Besetzung fanden inzwischen schon sechs Lärmdemonstrationen mit jeweils mehreren Hundert TeilnehmerInnen statt. Einen Fernsehbericht gibt es hier und zur Internetseite der MieterInnenInitiative kommt ihr hier

Nach dem Scheitern des sogenannten „Guggenheim-Lab“ auf einer Brachfläche Schlesische/Cuvrystraße in Berlin Kreuzberg, besetzten AnwohnerInnen diese im Mai kurzerhand und nutzen die Fläche für ihr eigenes städtisches Experiment, auch um der BMW/Guggenheim Lobbyveranstaltung ihre eigenen Vorstellungen von lebendigem Stadtraum entgegen zu bringen. Dieses Experiment wird heute zerstört, nachdem die „Besitzer“ Anzeige erstattet haben, um das Grundstück in den 15 Jahre dauernden Vorzustand, eine Brache, zurück zu versetzen. Dazu mehr hier

Seit Anfang Juli ist die seit einem Jahr geduldete Wagenburg „Rummelplatz“ besetzt, nachdem der Bezirk und der Liegenschaftsfond die Leute zum Wegzug aufgefordert haben. Es gibt nun eine neue Frist bis Ende Juli. Die Wagenburg will entweder bleiben oder ein Ersatzgrundstück, beides wird bisher abgelehnt. Mehr hier

Zu guter Letzt noch ein Radiofeature vom DeutschlandRadio zur aktuellen Lage in deutschen Städten und mit Stimmen von Menschen, die sich gegen diese Entwicklung engagieren—---hier

Da gibt’s nur eins: WIR BLEIBEN ALLE!!

Mietenstopp-Demo Doku

Vor genau einem Monat, am 2.Juni 2012 demonstrierten in Potsdam über 2000 Menschen gegen steigende Mieten und gegen die Umstrukturierung von Stadtteilen und die damit einhergehende Verdrängung von MieterInnen mit kleinem Einkommen sowie für eine soziale, partizipative Stadt, die nicht alleinig nach den Interessen weniger, reicher und prominenter BürgerInnen gestaltet wird, sondern eine Stadt für alle ist. Die Aktualität und Brisanz des Themas für viele Potsdamer BewohnerInnen spiegelte sich in dem breitgefächerten Spektrum an TeilnehmerInnen wieder. Neben jungen Menschen und Studierenden, schlossen sich auch viele Familien mit ihren Kindern und vor allem auch ältere Menschen den Demozügen an. Die Demo begann zwei geteilt, zum Einen in Potsdam West und zum Anderen in Babelsberg. Beide Demozüge trafen sich zwischen Hotel Mercure, Stadtschloß und Filmmuseum und zogen gemeinsam weiter bis zum Platz der Einheit, wo eine Solidaritätskundgebung für die BewohnerInnen des Staudenhofs stattfand. Danach ging es noch gemeinsam weiter zur Abschlußkundgebung auf dem Bassinplatz, wo letzte Redebeiträge gehalten wurden und über ein „Offenes Mikrofon“ verschiedene BürgerInnen zu Wort kamen und über ihre Situation berichteten.

Die Teildemo aus Babelsberg:

Aufeinandertreffen beider Demozüge:

Solikundgebung für die BewohnerInnen des Staudenhofes:

Offenes Mikrofon am Bassinplatz:




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