Archiv für November 2012

Gerüchteküche

Seit Jahren fordern Sportvereine, wie Corcordia Nowawes die Umwandlung des Grünstreifen zwischen Nutheschnellstraße und Park Babelsberg in eine regülare Sport- und Freizeitfläche. In den Sommermonaten wird die Nowawiese, wie sie von ihren NutzerInnen getauft wurde, bereits rege genutzt, ob als Bolzplatz oder zum gemeinsamen Pickicken, was in den Parkanlagen der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten ja strengenstens verboten ist. Seit geraumer Zeit verhandelt die Stadt nun mit der Stiftung um eine Lösung, da die Stiftung Anspruch auf die Flächen erhebt und angeblich spielende Kinder und zwei Fussballtore den Status des Weltkulturerebes gefährden könnten!! Teil des „Problems“ sind auch wir, die datscha.
In der PNN war gestern über uns in einem Artikel zu den Verhandlungen zwischen Stadt und Stiftung folgendes zu lesen. „Auch die besetzte Villa Wildwuchs an der Havel könnte in dem Zuge weichen. Für die Kunst- und Kulturschaffenden in dem Haus werde ein Ersatz gesucht.“(1)
Entweder hat sich der Autor des PNN-Artikels zum Sprachrohr einiger Akteure der Potsdamer Stadtpolitik gemacht und ihr Wunschdenken ausformuliert oder aber die Stadt Potsdam macht mal wieder Pläne über den Verbleib eines alternativen Haus- und Kulturprojekts, ohne die quasi Betroffenen, was in diesem Falle wir, die NutzerInnen der datscha wären. Ein solches Vorgehen ist man ja seit der Debatte und dem Entschluß zum Verbleib der WagenHausBurg schon fast gewohnt und scheint sich als normales Vorgehen zu etablieren. Das heisst aber nicht, dass wir es akzeptieren, dass über unsere Köpfe hinweg irgend etwas entschieden wird!
Wir wollen an dieser Stelle daher folgendes richtig stellen: Wir wissen nichts von Plänen, wie sie in der PNN verbreitet werden und können zu diesen Ideen nur sagen, dass wir als besetztes Haus, als ein solches an Ort und Stelle bleiben werden! Die datscha ist seit ihrer Besetzung vor viereinhalb Jahren ein wichtiger und lebendiger Freiraum für Menschen, die selbstorganisiert und unabhängig ihr eigenes Konzept von Kultur und politischen und sozialem Miteinander gestalten. Wir werden aus der datscha nicht für ein weiteres Stück überreguliertem, semi-öffentlichen Park weichen, von dem es in dieser Stadt mehr als genug gibt. Und auch für sonstige andere Umverteilungspläne werden wir nicht das Bauernopfer spielen.
Wir unterstützen die Forderungen des Concordia Nowawes für einen neuen Bolz- und Trainigsplatz auf der Nowawiese und laden auch für das kommende Jahr wieder dazu ein die Grünflächen für Erholung und Freizeit zu nutzen, Beachvolleyball bei uns am Haus zu spielen oder den datscha-Strand für ein kostenloses Bad zu besuchen!

Und weil’s so schön ist: Datscha bleibt! WagenHausBurg bleibt! Wir bleiben alle! Was sonst!?

(1Kein Anpfiff am Welterbe ? in der PNN am 29.11.2012)

Erster Erfolg der MieterInnen-Proteste

Proteste der MieterInnen der Heidesiedlung am Findling haben einen ersten Erfolg erzielt!! Der Verkauf der 90 Wohnungen durch die Pro Potsdam wurde vorläufig gestopp. Die Wohnanlage, die in den 1920er Jahren gebaut wurde und heute rund 100 BewohnerInnen beherbergt, stellt eine der letzten Möglichkeiten dar in Potsdam in einer bezahlbaren, unsanierten Altbauwohnung zu leben. Doch ähnlich, wie in der Wohnanlage zwischen Gutenbergstr. und Behlertsr. werden auch in der Heidesiedlung seit Jahren leer stehende Wohnungen nicht mehr neu vermietet, obwohl es in Potsdam einen eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnraum gibt. Der Verkauf der Siedlung und damit die Privatisierung und Sanierung hätte insbesondere einmal mehr zur Folge, dass Menschen mit geringem Einkommen, wie Studierende oder Hartz-4-EmpfängerInnen gezwungen sein werden in Zukunft ein Vielfaches ihrer bisherigen Miete zu bezahlen, in ein Potsdamer Randgebiet zu ziehen oder gleich ganz die Stadt zu verlassen. Mehr zu den Protesten:Pressespiegel

Erklärung der MieterInnen der Heidesiedlung zum Verkauf ihrer Wohnungen

Heute, am 14.11.12 fand vor dem Stadthaus eine Kundgebung statt unter dem Motto:

„Wir lassen uns nicht verkaufen – Kundgebung gegen den Verkauf des Findlings! Der Bürgerstatus der Bewohner Potsdams darf nicht von ihrem Geldbeutel abhängen! Wir sind als Bürger Teil dieser Stadt. Wir lassen uns nicht verdrängen! Wir bleiben alle! Deswegen wollen wir Demonstrieren. Kommt Zahlreich, denn hier geht es nicht nur um ein paar Wohnungen. Wir müssen hier und jetzt die desaströse Mietpolitik der Stadt stoppen.“

An dieser Stelle sei die Erklärung der BewohnerInnen der Heidesiedlung am Findling in Babelsberg dokumentiert:

Folgt man der Eigendarstellung der Pro Potsdam und ihrer ursprünglich als “Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH” gegründetem Tochter GEWOBA stellt sie sich der Verantwortung den “Mietsteigerungen auf dem (knappen) Wohnungsmarkt” entgegen.
Wir passt dazu die geplante Veräußerung des Wohnblocks “am Findling” Dass die Privatisierung von fast 100 Wohnungen ohne Mietpreisbindung dem Trend zu immer knapper werdenden bezahlbarem Wohnraum entgegensteuern soll, ist schwer nachvollziehbar. Die Pro Potsdam begründet dieses Vorhaben mit Argumenten der “langfristigen Wirtschaftsplanungen”, um Zielvorgaben der Stadt zu erfüllen. Wir fragen uns, ob die Notwendigkeit der Sanierung der Heidesiedlung, an der seit 1930 keine Instandhaltungsmaßnahmen mehr durchgeführt wurden, nicht seit längerer Zeit absehbar war, so dass sie in die Haushaltsplanungen einfließen konnte? Wird „nur“ der Wohnblock am Findling verkauft, oder droht eben diese Gefahr auch vergleichbaren Objekten wie der Behlertstrasse oder den Wohnblöcken auf dem Brauhausberg? Wir sehen in diesem Zusammenhang die Stadt Potsdam in der Pflicht, den von Jann Jakobs nach der Mietenstopp-Demonstration am 2.6.2012 gemachten Versprechungen wie “bezahlbarer Wohnraum für Jedermann in der Stadt” gerecht zu werden und der dafür verantwortlichen Pro Potsdam die Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie benötigt, um der Aufgabe nachzukommen.

Die desaströse Mietenpolitik stoppen

Die geplante Privatisierung des „Findlings“ ist Ausdruck einer Stadtpolitik, die vor lauter Euphorie angesichts des 300. Geburtstages Friedrichs II. die im Heute lebenden Bewohner Potsdams vergessen zu haben scheint. In diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt die Verdrängung der Mieter_innen des Staudenhofs zugunsten der Wiedererrichtung einer historischen Stadtmitte, aber auch die Privatisierung kommunalen Wohnraums in für Investoren attraktiven Stadtgebieten zu nennen, wobei wir auch den Bestand der Objekte in der Behlertstrasse und am Brauhausberg als gefährdet ansehen.

Wir fordern:

Wir, als Bewohner dieser Stadt, lehnen einen Verkauf der Heidesiedlung grundsätzlich ab.
Wir fordern eine Neuvermietung der zum Teil seit über einem Jahr leerstehenden Wohnungen in allen genannten Objekten. Im Falle einer Sanierung verlangen wir umfassende Mitspracherechte. Eine Sanierung gegen die Interessen der Mieter, wie unlängst in der Glasmeisterstraße geschehen, ist nicht in unserem Interesse. Nach der Sanierung fordern wir sowohl für uns als auch für neue Mieter eine sozialverträgliche Miethöhe.

mehr dazu beim Recht auf Stadt Bündnis

Neues von der WagenHausBurg

Rendite Mieten Stoppen! Demo

Am 10. November werden in Hamburg, Freiburg und Berlin Menschen gegen hohe Mieten und Verdrängung auf die Straße gehen. In den letzten Jahren stiegen die Mieten in vielen Städten rasant an. Dagegen formiert sich immer mehr Widerstand. Das Camp am Kottbuser Tor ist einer der wichtigsten Kristallationspunkte der Mietenproteste in Berlin in diesem Jahr. Die Mieter*innengemeinschaft „Kotti und Co“ hat mit dem Gecekondu einen poitischen Ort geschaffen, an denen sich Familien, Freund*innen, Mieter*innen und oder Aktivist*innen wirkungsvoll gegen steigende Mieten und Verdrängung organisieren. Die Demonstration will diesen Kampf unterstützen und mit anderen Kämpfen verbinden. Einen Ausweg aus dem Teufelskreis von steigender Armut und steigenden Mieten bietet nur der Ausbruch aus der kapitalistischen Stadt.

Wer hat die sauberste Innenstadt im ganzen Land ?
Der Staat zog sich aus der Bereitstellung von Wohnraum in den letzten Jahrzehnten zurück und das Verhältnis Wohnen wurde immer stärker nach Renditeinteressen organisiert. Die kapitalistische Stadt wird vorrangig als Standort wahrgenommen, welcher vermarktet werden muss und nicht als Ort, der von Menschen bewohnt wird. Den besten Rang in irgendeinem internationalen Ranking und die schickeste Innenstadt zu haben, ist dabei wichtiger als die Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen.
Die Häuser, denen, die sie brauchen!
Ein wenig Neubau, ein bisschen Kosmetik und sozialdemokratische Rhetorik wird an der fortgesetzten Verschlechterung der sozialen Lage von Vielen nichts ändern. Die Eigentumsfrage muss in den städtischen Kämpfen offensiv gestellt werden. Die Wohnungen, die Häuser, die Stadt sind nicht dafür da, die Profite zu steigern. Sie sind der Ort, wo die Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden sollten. Die Häuser müssen konsequent vergesellschaftet werden, wobei die Verwaltung der Häuser von unten organisiert werden muss.
Gemeinsam gegen die kapitalistische Stadt!
Um die kapitalistische Stadt massiv angreifen zu können, ist es notwendig die verschiedenen Kämpfe in Berlin und an anderen Orten solidarisch zu führen. Wichtig ist in diesem Kontext, dass die einzelnen Kämpfe Bezug aufeinander nehmen. Die zunächst lose Verbindung von stadtpolitischen Kämpfen in verschiedenen Städten ist ein erstes wichtiges Signal für eine Verbreiterung des Prozesses. Am 10.11. werden deswegen zeitgleich Demonstrationen gegen die kapitalistische Stadt in Hamburg, Berlin und Freiburg stattfinden. Aber auch die verhinderte Zwangsräumung in der Lausitzer Straße 8 in Berlin-Kreuzberg stellt einen ebenso wichtigen Schritt hin zu einer konkreten Infragestellung des staatlichen Gewaltmonopols, welches viele Menschen gewaltsam aus ihren Wohnungen und ihrem Lebensumfeld reißt.

10. November 2012 / 16 Uhr / Kottbusser Tor mehr infos




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